«Die EU ist ein aufgeblähtes bürokratisches Gebilde»

Lupfig: Roger Köppel erwies sich als Publikumsmagnet beim Jahresevent von PERSPECTIVE CH

Der Ochsen Lupfig platze bei der Jahresversammlung des politischen Forums PERSPECTIVE CH aus allen Nähten. Hauptgrund für das riesige Publikumsaufkommen war der geladene Referent: SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel, der wohl umstrittenste Journalist der Schweiz, setzte sich in seinem Referat «Europapolitik: Quo vadis?» vehement gegen das Rahmenabkommen Schweiz-EU ein.

Zog viel Publikum an: SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel

Zog viel Publikum an: SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel

Reto Caprez, Sie haben den Anlass von PERSPECTIVE CH mitorganisiert und so viel Publikum wie noch nie erlebt. Was hat die Leute vor allem angezogen. Köppels Bekanntheitsgrad oder die Infragestellung der Beziehung zwischen der Schweiz und der Europäischen Union?
Die EU-Frage ist und bleibt die zentrale Frage. Sie bestimmt das Handeln der Politik massgeblich. Sie hat entscheidenden Einfluss auf die Gesetzgebung und das Verhalten in innenpolitischen Abstimmungen. Nichtsdestotrotz: Der grosse Publikumsaufmarsch ist aber ganz bestimmt auf Roger Köppel zurückzuführen. Köppel zieht aufgrund seiner Bekanntheit die Leute an.

Roger Köppels Doppelrolle als Politiker und Journalist wird oft kritisiert. Wie stellt sich PERSPECTIVE CH dazu?
PERSPECTIVE CH setzt sich dafür ein, dass unser Land weiterhin eigenständig über die Art und Weise seiner Beziehungen mit Europa und der Welt entscheiden kann. Über die Doppelrolle von Roger Köppel als Journalist und Politiker äussern wir uns nicht. Diese Doppelrolle (Beruf und Politik) ist aber Bestandteil unseres Milizprinzips, welches PERSPECTIVE CH wichtig ist.

Köppel stellt die direkte Demokratie, den Föderalismus und die Gemeindeautonomie in Frage, wenn man sich für ein Rahmenabkommen und ev. sogar für einen späteren Beitritt zur EU entscheidet.  Er bezeichnete die EU als «sinkendes Schiff». Da trifft er wohl ins Schwarze?
So ist es! Die EU ist ein überdimensioniertes, aufgeblähtes bürokratisches Gebilde. Sie verschlingt Milliarden und ist in ihrer heutigen Form mit den Maastrichter-Verträgen als Grundlage nicht überlebensfähig. Die Fehlkonstruktion Euro verunmöglicht beispielsweise eine nachhaltige Geldpolitik, abgestimmt auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedürfnisse der Länder.

(Bilder: zVg) Die Referenten Roger Köppel und Luzi Stamm am öffentlichen Anlass von PERSPECTIVE CH

(Bilder: zVg) Die Referenten Roger Köppel und Luzi Stamm am öffentlichen Anlass von PERSPECTIVE CH

Köppel erwähnte, dass das Schweizer Volk dem Establishment entgleite. Dies, weil sich in der Schweiz der Bundesrat und grosse Teile des Parlaments mit seltener Arroganz über Volksentscheide hinwegsetze. Er prangerte in seinen Auslegungen die «unglaubliche Überheblichkeit der Leute an den Hebeln» an…
Korrekt. Die Politik setzt sich zunehmend über die Interessen der Bevölkerung hinweg, trotz Volksentscheiden. Man nehme nur die Masseneinwanderungsinitiative als Beispiel. So kommt es dann eben auch, dass ein Donald Trump US-Präsident wird und nächstes Jahr wohl Marine Le Pen mindestens in die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahl einzieht.

SVP-Nationalrat Luzi Stamm sprach sich als Co-Referent gegen die explodierenden Kosten in der Flüchtlingshilfe aus. Ein Grossteil der Millionen komme den wenigen Privilegierten zugute, die sich die Flucht nach Europa leisten können. Und die Wenigen, denen in unserem Land geholfen werde, seien immer noch zu viel. Sein Fazit: «Lasst sie nicht hierher kommen – helft dort wo sie sind». Hatte er konkrete Beispiele, wie er sich so eine direkte Hilfe vor Ort vorstellt?
Ja. Beispielsweise mit funktionsgebundenen Direktzahlungen oder auch der Förderung der Aus- und Weiterbildung. Hier kann die Schweiz ihre humanitäre Tradition bestens einsetzen.

Interview: ub

PERSPECTIVE CH
Die politische Bewegung PERSPECTIVE CH wurde mit der Zielsetzung gegründet, über die Chancen eines Wegs der Weltoffenheit und der staatlichen Souveränität ausserhalb von Wirtschaftsblöcken und politischen Machtballungen zu informieren. Darüber hinaus will PERSPECTIVE CH Anregungen zur konkreten Ausgestaltung dieser Alternative geben. In diesem Sinn möchte PERSPECTIVE CH einen zuversichtlichen Kontrapunkt setzen zur langfristigen, auf den EU-Beitritt ausgerichteten Integrationspolitik des Bundes. Unser Forum lehnt den Beitritt zur Europäischen Union, sofern sich diese nach den Zielvorgaben von Maastricht entwickelt, ab. PERSPECTIVE CH setzt sich dafür ein, dass unser Land weiterhin eigenständig über die Art und Weise seiner Beziehungen mit Europa und der Welt entscheiden kann.

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